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EIN ERSTES MUSIKALISCHES HIGHLIGHT IN DER HITZE

Wer ein fremdes Land bereist, macht sich, ob er will oder nicht, bestimmte Vorstellungen davon, wie es dort sein wird. Auch von Kairo hatte ich mir natürlich ein

Bild gemacht. Selten war die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit dermassen gross. Dies hat aus meiner Sicht vor allem einen Grund. Hier, in dieser Orient-Metropole, können verschiedenste Gegensätze absolut friedlich nebeneinander bestehen.

Kairo ist ein Moloch. Es pulsiert Tag und Nacht. Kairo ist bunt, glitzernd und funkelnd, aber auch fad-braun-beige, marode und dreckig. Kairo ist laut, sehr laut und dissonant. Die Strassenakustik ist geprägt, obwohl ausdrücklich verboten, von wildem, permanentem Gehupe und lautstarkem Gerede – um nicht zu sagen Geschrei. Verschiedenste unbekannte, gewürzartige, wohlduftende Gerüche mischen sich mit dem fürchterlichsten Gestank. Kairo ist chaotisch, Verkehrsregeln werden partout missachtet. Und obwohl man auf den ersten Blick die Stadt als eher hektisch empfinden mag, versprüht der Alltag in Downtown-Kairo, wo wir leben, eine sehr angenehme Gemütlichkeit. Diese und viele andere Tatsachen machen Kairo liebenswert.

Momentan sind die Menschen aufgrund der beinahe unerträglichen Hitze während des Tages eher nachtaktiv. Mittlerweile haben wir, Jacinta Candinas und ich, unseren Rhythmus dem ägyptischen Lifestyle angepasst. Erst so gegen fünf Uhr morgens leeren sich die Strassen. Jedoch nur für eine kurze Zeit, denn um 5.30 Uhr ruft der Muezzin megafonverstärkt bereits wieder zum Gebet. Für uns besonders hart, da um 9 Uhr in der Früh bereits der Arabisch-Kurs beginnt. Eine Notwendigkeit, denn mit Englisch kann man sich hier wider Erwarten nur bedingt verständigen.
Trotz der sprachlichen Verständigungsprobleme ist es erstaunlich, wie schnell man sich in Kairo ein soziales Netzwerk aufbauen kann. Bereits nach zwei Wochen Kairo haben wir regen Kontakt zu einheimischen Musikern, Künstlern, Kaffeehausbesitzern und anderen Lebenskünstlern. Es ist ein herzliches und kontaktfreudiges Volk. Auch gehört es für die Ägypter zum guten Ton, neu gewonnene Bekannte zum Essen zu sich nach Hause einzuladen, was auf uns Schweizer manchmal irritierend wirken kann. Im Sinne von: Der will mich doch bestimmt auf irgendeine Art und Weise ausnehmen. Ich wurde bis jetzt definitiv eines Besseren belehrt.

Letzten Mittwoch habe ich ein erstes musikalisches Highlight erlebt. Anlässlich des zehntägigen Cairo Music Festivals in der hiesigen Zitadelle spielte der ägyptische Jazzpianist, Komponist und Grammy Award Winner Fathy Salama mit seiner Band Sharkiat ein tolles Konzert. Jedem Jazzkenner würde sofort auffallen, dass die Musik von Salama und die des erst kürzlich verstorbenen Wiener Pianisten Joe Zawinul in ihrer Grundästhetik recht viel gemein haben. Treibende Afro- und Egyptgrooves mischen sich elegant mit analogen Synthesizerklängen und traditionellen Instrumenten wie Oud (lautenartiges Saiteninstrument), Darabouka oder der Rahmentrommel. Natürlich bieten die fast schon ausserirdisch-klingenden Kompositionen auch genügend Freiräume für ausufernde Improvisationen.
Begleitet hat uns Ashraf von der Pro-Helvetia-Aussenstelle Kairo. Ashraf, seines Zeichens ein national bekannter Kunstmaler, kennt Fathy Salama persönlich und wird mich in Kürze mit ihm bekannt machen. Ich könnte mir durchaus vorstellen, mit Salama, falls es seine Zeit zulässt – er pendelt oft zwischen Paris und Kairo -, ein Projekt aufzugleisen oder im Minimum mal eine Jam-Session zu spielen.

Am kommenden Wochenende beginnt der Ramadan. Wie uns Einheimische berichten, soll dann die Stadt Kopf stehen. Tagsüber sind die Strassen wie leer gefegt, die Geschäfte bleiben zum grossen Teil geschlossen und die Leute sollen wegen des knurrenden Bauches, der durstigen Kehle und der Hitze, die der August hier so mit sich bringt, im Allgemeinen ziemlich aufgekratzt und mürrisch sein. Dafür soll nachts dann mit Musik, Speis und Trank die Post abgehen. Ich sehe diesem Fastenmonat gespannt entgegen. Darüber werde ich unter anderem in Kürze an dieser Stelle gerne berichten. Salam!